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Daniel Mosimann bekämpft invasive Neophyten wie Drüsiges Springkraut mit grosser Überzeugung.Bilder: pixabay/zvg

Zeitschriften | Verband & PolitikLesezeit 2 min.

«Die Thematik wird seit 40 Jahren zu wenig ernst genommen»

Der Berner Naturgärtner Daniel Mosimann setzt sich seit knapp 40 Jahren gegen invasive Neophyten ein. Auf knapp 70 ha bekämpft er als Freiwilliger oder im Auftrag Kanadische Goldruten, Sommerflieder, Einjähriges Berufkraut und weitere. Den Grossteil davon im Wald.

Sarah Sidler | Wer kennt die Bilder nicht? Von Einjährigem Berufskraut gesäumte Waldwege, Nester von Japanknöterich mitten im Wald und von Armenischen Brombeeren überwucherte Flächen?

«Wer auf solche Flächen trifft, hat zu lange mit der Bekämpfung der invasiven Neophyten gewartet», sagt Daniel Mosimann, Naturgärtner und Leiter eines Bioterra-Fachbetriebs in Münsingen (BE). Neophyten sind nicht einheimische Pflanzen, die in die Schweiz eingeführt wurden und potenziell invasive Eigenschaften aufweisen, was zu ökologischen, ökonomischen und gesundheitlichen Schäden führen kann.

Der Berner hat sich im Jahr 2000 auf naturnahen Gartenbau spezialisiert und setzt sich seit 38 Jahren gegen invasive Neophyten in der Schweiz ein. Auf die Problematik aufmerksam wurde er während seines ersten Einsatzes beim Natur- und Vogelschutzverein Münsingen (NVVM). «Wir wollten naturnahe Lebensräume fördern und sind auf ganze Felder Kanadischer Goldruten und von Riesenbärenklau gestossen», erinnert sich der 53-Jährige. Seither setzt er sich als Freiwilliger oder im Auftragsverhältnis mit seiner Firma auf knapp 70 ha, unterteilt in verschiedene Gebiete, gegen invasive Neophyten ein. «Pflanzen, die Probleme machen, müssen zurückgedrängt werden. Sonst verlieren wir neben den intensiv genutzten Landwirtschafts- und Forstflächen weitere wertvolle Lebensräume und damit einen Teil unserer Lebensgrundlage», sagt Daniel Mosimann. «Invasive Neophyten nehmen einheimischen Arten den Lebensraum.»

Einer der ersten grossen Aufträge lautete: Den 15 ha grossen, geschützten Auenwald entlang der Aare zwischen der Autobahnausfahrt Rubigen/Münsingen (BE) und dem Fast-Food-Restaurant in Richtung Thun (BE) von invasiven Neophyten freizuhalten. Auf der anderen Seite der Autobahn, bei der Raststätte, liegt das Waldstück Stude/Ritzele. Dort sind Daniel Mosimann und seine Mitarbeiter im Auftrag der Gemeinde Münsingen unterwegs. «Bis zu eineinhalb Meter hohe Berufkräuter haben wir dort herausgeholt», berichtet er. Neuerdings pflegen sie auch die 18 neu angelegten Kleinweiher in diesem Waldstück. «Wir machen den Unterhalt, schneiden die Weiher frei und jäten die Rohrkolben raus.» Gemeinsam mit der Bevölkerung machen die Naturgärtner den invasiven Neophyten den Garaus. «Während wir zuerst zu dritt oder zu viert viermal jährlich zum Entfernen von Brombeeren, Einjährigen sowie Kanadischen Berufkräutern und des Schmalblättrigen Greiskrauts das Waldstück durchkämmten, braucht es nun nur noch eine Person dafür», sagt er. Im November 2026 sei die nächste Aktion mit ansässigen Jägern und der Bevölkerung für die Bekämpfung der Armenischen Brombeeren geplant.

Regelmässige Einsätze zu Beginn vonnöten

«Wenn man in den ersten Jahren nach Befall die invasiven Neophyten zwischen Mai und November alle drei bis fünf Wochen bekämpft und danach die regelmässigen Kontrollgänge nicht vergisst, kommt man auch gegen sich stark ausbreitende Pflanzen wie das Einjährige Berufkraut oder das Schmalblättrige Greiskraut an», weiss er aus Erfahrung. Daniel Mosimann rät jedoch, sorgfältig zu arbeiten. «Wer heute ein Berufkraut stehen lässt, hat deswegen im nächsten Jahr eine Viertelstunde Arbeit. Es verbreitet sich in einem Jahr um das Zehnfache.» Er widerspricht dem Argument vehement, dass invasive Neophyten Teil der Natur sind und sich das Problem wieder einpendeln wird. «Armenische Brombeeren, das Einjährige Berufkraut und beispielsweise die Kanadische Goldrute verdrängen unsere Flora zu stark. Das Gleichgewicht geht verloren.»

Seiner Meinung nach müsste die Liste der verbotenen invasiven Pflanzen in der Schweiz verlängert werden. Beispielsweise mit dem Kanadischen Berufkraut oder dem Sibirischen Hartriegel. Letzterer würde derzeit sogar in Baumschulen angeboten, obwohl er heute schon immer wieder in der Natur anzutreffen ist. Er sei nicht gegen Neophyten, aber für wertvolle Lebensräume für Mensch, Tier und Pflanzen.

Wichtige Einnahmequelle

Auch im neu aufgewerteten Stück Aareufer zwischen Wichtrach (BE) und Münsingen will der Spezialist gegen invasive Neophyten vorgehen. «Sind erste, nicht einheimische Pflanzenarten vorhanden, die unsere Flora verdrängen, muss sofort eingegriffen werden. Sonst verliert man viel Zeit und Geld.» Nicht nur bei dieser Fläche ist Daniel Mosimann proaktiv auf die Landbesitzer zugegangen. Er rät dringend dazu, Besitzende von betroffenen Flächen darauf aufmerksam zu machen und – wenn möglich – Hilfe anzubieten. «Wenn wir einander helfen, sind invasive Neophyten kein Problem, sondern etwas, das nebenbei gelöst werden kann», ist er überzeugt.

Inzwischen macht die Neophytenbekämpfung rund 20 % des Betriebsumsatzes von Daniel Mosimann aus. Auftraggebende sind Gemeinden, Kantone, Private, Stiftungen und Forstunternehmen. Nach wie vor ist der Berner Umweltschützer jedoch auch auf freiwilliger Basis gegen invasive Neophyten unterwegs. Rund 20 ha bekämpft er in seiner Freizeit mit Unterstützung seiner Familie und Freiwilliger. Etwa im Enggistwald. Dort geht er seit fünf Jahren mit der zuständigen Jagdgesellschaft gegen die eingewanderten Pflanzen vor. Nun sind fast alle weg.

Gewusst wie

Im Kampf gegen invasive Neophyten sei es wichtig, möglichst viele Menschen zu motivieren. «Wer Hilfe auf seinem Land benötigt, wendet sich an lokale Schulen, Jagdgesellschaften und Naturschutzvereine. Diese stellen oft Freiwillige.» Bei grossen Flächen rät Daniel Mosimann, sich Ecke für Ecke vorzunehmen und bei den wenig befallenen Stücken zu beginnen. Stark befallene Flächen soll man am besten mit einer Gruppe bearbeiten, damit Erfolge sichtbar werden und die Hoffnungslosigkeit nicht überhandnimmt. Wenn man trotzdem nicht nachkommt, kann auch mal eine Fläche vor der Versamung der Pflanzen gemäht werden. «Am besten mit dem Balkenmäher oder der Handsense, denn mit dem Fadenmäher oder dem Mulchgerät werden bei jedem Mähgang zwischen vierzig und hundert Prozent der dort vorkommenden Insekten und Reptilien verletzt oder getötet», so Daniel Mosimann. Dabei sei auf geschützte Arten wie Orchideen zu achten und zu bedenken, dass etwa Brennnesseln oft von seltenen Tagfaltern zur Eiablage genützt werden. Wichtig sei, Schnittgut und ausgerissene Stauden immer abzuführen oder abführen zu lassen. Teilweise übernehmen betroffene Gemeinden diese Arbeit unentgeltlich oder stellen Neophytensäcke gratis zur Verfügung.

Brut- und Setzzeit beachten

Die Armenische Brombeere sei leider lange Zeit stehen gelassen worden. Deshalb nimmt er sich dieser erst an, wenn alle anderen invasiven Neophyten auf einer Fläche weg sind. Dann entfernt der Vater dreier Kinder zuerst einzelne Stöcke, bevor er die betroffenen Flächen von aussen nach innen bekämpft. Ist keine Zeit vorhanden, um die stachelige Pflanze von Hand auszugraben, schneidet er sie ab. Daniel Mosimann hebt hervor: «Armenische Brombeeren versiebenfachen sich in einem Jahr.» Die Thematik invasiver Neophyten wird seit vierzig Jahren auf allen Ebenen zu wenig ernst genommen.» Die Liste «Verschärfung der Freisetzungsverordnung» vom 1. September 2024 des Bundes komme 30 Jahre zu spät. Es kommt auch vor, dass der naturnahe Gärtner mit schwerem Geschütz gegen die sich wild verbreitenden Pflanzen vorgeht. Sommerflieder werden auch mal mit dem Strauchzieher oder dem Habegger ausgerissen, Sibirische Hartiegel mit dem Lastwagenkran, und um alle Wurzeln des Japanischen Knöterichs und grosse Vorkommen der Kanadischen Goldrute zu erwischen, kommt auch mal ein Bagger zum Einsatz. Letztere könne man jedoch auch abdecken und über Jahre verhungern lassen. Mit grossen Maschinen sei eine einmalige, intensive Störung weniger schlimm als mehrere kleine. «Dabei ist es wichtig, die möglichen Schäden der Bodenverdichtung abzuwägen. Bei allen Einsätzen, egal, ob von Hand oder mit der Maschine, sind die Schon- und Brutzeiten der Vögel, Amphibien und Fische sowie des Wildes und der Reptilien unbedingt zu beachten», betont Daniel Mosimann. Grössere Eingriffe mit Maschinen gegen Baum und Strauchartige sind zwischen Mitte März und September deshalb Tabu.

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